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Zwischen uns - und bei mir


Ich habe lange geglaubt, dass das Leben vor allem aus Beziehungen besteht.

Aus Gesprächen. Begegnungen. Verpflichtungen. Dazugehören.

Ich war da – für Freund:innen, Familie, Klient:Innen, für Menschen, die mich brauchten.

Und ich war stolz darauf.

Ich konnte zuhören, helfen, tragen, mitfühlen.

Ich war zuverlässig. Offen. Warm.

Ich hatte immer Zeit.

Oder besser gesagt: Ich nahm sie mir.

Nur für mich selbst nahm ich sie nicht.


Als Gemeinschaft zur Flucht wurde

Irgendwann merkte ich:

Ich war ständig von Menschen umgeben – und innerlich leer.I

Ich funktionierte im Wir, aber ich hatte mich im Ich verloren.

Meine Tage waren voll, meine Kalender überfüllt, meine Gedanken jedoch erstaunlich still, wenn ich allein war.

Denn ich hatte verlernt, mir zuzuhören.

Gemeinschaft war mein Zuhause geworden –aber auch mein Versteck.


Die leise Begegnung mit mir selbst

Der Moment der Veränderung kam nicht laut.

Er kam in der Stille.

Ein Abend allein. Kein Plan. Kein Gespräch. Kein Bildschirm.

Nur ich – und das, was in mir auftauchte, als nichts mehr ablenkte.

Da spürte ich, wie müde ich war. Nicht vom Leben, sondern davon, mich selbst ständig zu übergehen.

Ich begann vorsichtig, mich kennenzulernen. Nicht als Rolle. Nicht als Freundin. Nicht als Stütze. Sondern als Mensch mit Bedürfnissen.



Selbstfürsorge als Rückkehr – nicht als Rückzug

Anfangs fühlte sich Selbstfürsorge egoistisch an.

Als würde ich etwas wegnehmen, wenn ich mir etwas gebe.

Doch dann verstand ich:

Ich nahm niemandem etwas weg –ich kam nur zu mir zurück.

Ich lernte Nein zu sagen, ohne zu erklären.

Ja zu sagen, ohne mich zu rechtfertigen.

Still zu werden, ohne mich schuldig zu fühlen.

Und aus dieser neuen Nähe zu mir selbst begann sich auch meine Nähe zu anderen zu verändern.


Heute

Heute weiß ich:



Gemeinschaft ohne Selbstfürsorge macht mich unsichtbar. Selbstfürsorge ohne Gemeinschaft macht mich einsam.

Zwischen diesen beiden Polen finde ich mich. Und dort finde ich auch die anderen – nicht aus Pflicht, sondern aus Verbundenheit.


 
 
 

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