Achtsamkeit und emotionale Regulation
- Martina Weiblen
- 22. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Wie psychologische Wissenschaft und spirituelle Praxis zusammenwirken
Eine persönliche Einleitung
In meiner Arbeit begegne ich vielen Menschen, die ihre Gefühle sehr intensiv erleben – und gleichzeitig gelernt haben, diese zu kontrollieren, zu übergehen oder zu unterdrücken. Oft ist der Wunsch groß, endlich wieder Ruhe im Inneren zu finden.
Achtsamkeit und emotionale Regulation begegnen mir dabei immer wieder als zentrale Schlüssel. Nicht als Techniken, die schnell etwas „reparieren“, sondern als Haltungen, die eine neue Beziehung zum eigenen inneren Erleben ermöglichen.
Dieser Artikel verbindet zwei Perspektiven, die sich aus meiner Sicht sinnvoll ergänzen: Erkenntnisse aus der psychologischen Wissenschaft und Erfahrungen aus spiritueller Achtsamkeits-Praxis.
Was bedeutet emotionale Regulation aus psychologischer Sicht?
Emotionale Regulation beschreibt die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und angemessen mit ihnen umzugehen. Dabei geht es nicht darum, Emotionen zu kontrollieren oder zu unterdrücken. Im Gegenteil: Langfristig führt genau das häufig zu innerem Druck, Erschöpfung oder psychosomatischen Beschwerden.
Psychologische Forschung zeigt, dass gut entwickelte emotionale Regulation folgende Fähigkeiten einschließt:
Emotionen bewusst wahrnehmen und benennen können
Gefühle als vorübergehende innere Zustände erkennen
zwischen Emotion und Handlung unterscheiden
angemessen auf innere und äußere Reize reagieren
Menschen, die ihre Emotionen regulieren können, erleben sich nicht als Spielball ihrer Gefühle, sondern als handlungsfähig – auch in belastenden Situationen.
Achtsamkeit als Grundlage emotionaler Regulation
Aus psychologischer Sicht ist Achtsamkeit eine der zentralen Grundlagen emotionaler Regulation. Sie beschreibt eine innere Haltung von gegenwärtiger, nicht-wertender Aufmerksamkeit.
Achtsam zu sein bedeutet:
wahrzunehmen, was gerade da ist
ohne es sofort verändern, bewerten oder erklären zu müssen
mit einer Haltung von Offenheit und Freundlichkeit
Studien zeigen, dass achtsamkeits-basierte Verfahren nachweislich dabei helfen können, Stress zu reduzieren, emotionale Reaktivität zu verringern und die Selbstwahrnehmung zu stärken.
Achtsamkeit schafft einen inneren Raum zwischen Reiz und Reaktion. In diesem Raum entsteht Wahlfreiheit.
Die spirituelle Dimension der Achtsamkeit
In spirituellen Traditionen – insbesondere im Buddhismus – ist Achtsamkeit seit Jahrhunderten eine zentrale Praxis. Hier geht es weniger um Symptomlinderung, sondern um eine tiefere Beziehung zum eigenen inneren Erleben.
Spirituell verstanden bedeutet Achtsamkeit:
präsent zu sein mit dem, was ist
sich nicht mit Gedanken oder Gefühlen zu identifizieren
innere Prozesse kommen und gehen zu lassen
Emotionen werden dabei nicht als Störung gesehen, sondern als Teil menschlicher Erfahrung. Leiden entsteht weniger durch das Gefühl selbst, sondern durch das Festhalten, Wegdrücken oder Bewerten.
Diese Perspektive ergänzt die psychologische Sicht auf wertvolle Weise: Sie lädt dazu ein, Emotionen nicht nur zu regulieren, sondern ihnen mit Akzeptanz und Mitgefühl zu begegnen.
Verbindung beider Perspektiven in der Praxis
In der praktischen Arbeit zeigt sich, dass emotionale Regulation besonders nachhaltig gelingt, wenn beide Ebenen zusammenspielen:
die psychologische Fähigkeit zur Selbststeuerung
die spirituelle Haltung von Annahme und Präsenz
Achtsamkeit hilft dabei, emotionale Prozesse frühzeitig wahrzunehmen. Regulation bedeutet dann nicht, Gefühle zu unterdrücken, sondern ihnen Halt zu geben.
Ein reguliertes Nervensystem entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Sicherheit – innerlich wie äußerlich.
Achtsamkeit ist keine Technik, sondern eine Beziehung
Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, Achtsamkeit sei eine Methode, um sich schnell besser zu fühlen. Tatsächlich ist sie eher eine innere Beziehung: zu sich selbst, zu den eigenen Emotionen und zu den Erfahrungen des Lebens.
Manchmal führt Achtsamkeit zunächst sogar dazu, mehr zu spüren – nicht weniger. Gerade deshalb braucht sie einen sicheren Rahmen, Geduld und Selbstmitgefühl.
Emotionale Regulation bedeutet dann:
sich selbst ernst zu nehmen
Gefühle weder zu dramatisieren noch zu bagatellisieren
sich Schritt für Schritt innerlich zu stabilisieren
Fazit: Innere Stabilität entsteht durch Beziehung
Achtsamkeit und emotionale Regulation sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben inneren Bewegung. Die psychologische Wissenschaft liefert hilfreiche Erklärungen und Modelle, die spirituelle Praxis schenkt Tiefe, Sinn und Mitgefühl.
Gemeinsam ermöglichen sie einen Umgang mit Emotionen, der nicht auf Funktionieren ausgerichtet ist, sondern auf Verbundenheit mit sich selbst.
Achtsamkeit lädt uns ein, dem eigenen inneren Erleben mit Präsenz zu begegnen – und genau darin liegt ihre regulierende Kraft.
Sanfte Einladung
Wenn du merkst, dass dich deine Gefühle im Alltag oft überfordern oder du dich innerlich nicht mehr sicher fühlst, kann es hilfreich sein, diesen Weg nicht allein zu gehen.
In meiner Arbeit als psychologische Beraterin begleite ich Menschen dabei, einen achtsamen und stabilisierenden Umgang mit ihren Emotionen zu entwickeln – wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig menschlich und zugewandt.
Du bist herzlich eingeladen, dich auf meiner Website weiter umzusehen oder in einem unverbindlichen Gespräch zu prüfen, ob meine Begleitung für dich passend sein könnte.





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