Warum wir Beziehungsmuster wiederholen - und wie wir uns daraus lösen können
- Martina Weiblen
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Beziehungsmuster aus systemischer Sicht
Viele Menschen kommen irgendwann an einen Punkt, an dem sie sich fragen:
„Warum gerate ich immer wieder in ähnliche Beziehungen?“„Warum fühlt sich Liebe oft so schwer an – obwohl ich mir doch etwas anderes wünsche?“
Vielleicht erlebst du immer wieder Nähe und Rückzug. Oder du fühlst dich verantwortlich für das Wohlergehen anderer. Vielleicht verliebst du dich in Menschen, die emotional nicht erreichbar sind, oder hast Angst, verlassen zu werden.
Diese Erfahrungen sind kein persönliches Versagen.Sie sind Ausdruck von Beziehungsmustern, die tief in unserer Lebensgeschichte verwurzelt sind.
Was Beziehungsmuster wirklich sind
Beziehungsmuster entstehen nicht erst in unseren Partnerschaften. Sie entstehen dort, wo wir Beziehung zum ersten Mal erleben: in unserer Herkunftsfamilie.
Als Kind lernen wir:
wie sich Nähe anfühlt
ob wir mit unseren Bedürfnissen willkommen sind
wie Konflikte ausgetragen werden
welche Rolle wir einnehmen müssen, um dazuzugehören
Diese frühen Erfahrungen prägen unser inneres Bild von Beziehung – oft unbewusst, aber sehr wirkungsvoll.
So entsteht eine innere Landkarte, nach der wir uns später orientieren.
Warum wir immer wieder dasselbe erleben
1. Vertrautheit fühlt sich sicher an – selbst wenn sie schmerzt
Unser Nervensystem sucht Sicherheit, nicht Glück. Und Sicherheit bedeutet für das Nervensystem: das Bekannte.
Deshalb fühlen sich selbst schmerzhafte Beziehungserfahrungen manchmal vertrauter an als etwas Neues und Gesundes.Nicht, weil wir das Leid wollen – sondern weil unser System es kennt.
2. Tiefe Loyalitäten zu unserem Familiensystem
Aus systemischer Sicht tragen wir starke innere Bindungen an unsere Familie in uns.Oft bleiben wir unbewusst loyal:
zu einem leidenden Elternteil
zu übernommenen Rollen (z. B. die Starke, der Vermittler, die Angepasste)
zu unausgesprochenen Regeln des Systems
Veränderung kann sich dann innerlich wie ein Verrat anfühlen.Deshalb halten viele Menschen an Mustern fest, obwohl sie ihnen schaden.
3. Die Hoffnung auf Heilung
Unbewusst suchen wir immer wieder ähnliche Situationen, weil ein Teil von uns hofft:
„Dieses Mal wird es anders. Dieses Mal bekomme ich, was mir früher gefehlt hat.“
Doch solange das alte Muster nicht bewusst wird, wiederholt sich die Geschichte.
Wie Veränderung sanft möglich wird
1. Dein Muster erkennen – ohne Selbstverurteilung
Der erste Schritt ist kein „Anders machen“, sondern Verstehen:
Welche Beziehungen ähneln sich in meinem Leben?
Welche Gefühle begleiten mich immer wieder?
Welche Rolle übernehme ich automatisch?
Allein dieses Erkennen schafft bereits inneren Abstand.
2. Die Geschichte hinter dem Muster würdigen
In der systemischen Arbeit schauen wir nicht nur auf das Problem, sondern auch auf seine Herkunft:
Dieses Muster hat mir einmal geholfen zu überleben, mich anzupassen oder dazuzugehören.
Wenn wir diesen Ursprung würdigen, entsteht Mitgefühl für uns selbst – und damit die Grundlage für Veränderung.
3. Neue innere Erfahrungen machen
Durch bewusste Beziehungserfahrungen und therapeutische Begleitung kann unser Nervensystem lernen:
Heute ist Beziehung sicherer als früher. Ich darf neu wählen.
So entsteht Schritt für Schritt echte innere Freiheit.
Von alten Drehbüchern zu bewusster Gestaltung
Wenn wir unsere Beziehungsmuster verstehen, verlieren sie ihre Macht über uns.Wir beginnen, Beziehungen nicht mehr aus Angst oder alten Schutzstrategien heraus zu gestalten, sondern aus innerer Klarheit und Selbstverbundenheit.
Veränderung geschieht nicht über Nacht.Aber sie ist möglich – sanft, achtsam und in deinem eigenen Tempo.



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