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Die besten Übungen gegen Überforderung im Alltag

Die besten Übungen gegen Überforderung im Alltag

12. Okt.
5 Min. Lesezeit

Es gibt diese Momente, in denen selbst eine kleine Frage zu viel sein kann: „Was essen wir heute?“, „Kannst du noch schnell ...?“ oder „Hast du daran gedacht?“ Nach außen antworten Sie vielleicht noch. Innerlich ist längst kein Platz mehr. Die besten Übungen gegen Überforderung sind dann nicht die, die noch mehr Disziplin verlangen. Sie helfen Ihnen vielmehr, für einen Moment aus dem inneren Alarm auszusteigen und wieder bei sich anzukommen.

Überforderung ist kein Zeichen dafür, dass Sie zu wenig leisten oder nicht belastbar genug sind. Häufig ist sie die Folge davon, dass Sie sehr lange viel getragen haben: Verantwortung, Erwartungen, unausgesprochene Konflikte, Sorgen um andere und den eigenen Anspruch, trotzdem weiterzufunktionieren. Ihr Nervensystem meldet sich nicht, um Sie zu schwächen. Es versucht, Sie zu schützen.

Warum Übungen bei Überforderung klein beginnen dürfen

Wenn alles zu viel wird, sucht der Kopf oft nach der großen Lösung. Sie möchten endlich Klarheit, den Konflikt lösen, Entscheidungen treffen, wieder Kraft haben. Doch in akuter Überforderung kann auch eine gute Lösung wie eine weitere Aufgabe wirken. Der erste Schritt ist deshalb nicht, alles zu ordnen. Der erste Schritt ist, den inneren Druck etwas zu senken.

Eine Übung muss dabei nicht lange dauern und nicht perfekt gelingen. Drei bewusste Atemzüge, ein Satz auf Papier oder zwei Minuten am offenen Fenster können wirksamer sein als ein Vorhaben, das Sie erst in einer freien Stunde beginnen wollen. Es geht nicht darum, sich die eigenen Gefühle wegzureden. Es geht darum, wieder genug Boden unter den Füßen zu spüren, um ihnen begegnen zu können.

Die besten Übungen gegen Überforderung für den Akutmoment

1. Den Raum benennen, in dem Sie gerade sind

Schauen Sie sich langsam um und nennen Sie leise oder in Gedanken fünf Dinge, die Sie sehen. Danach vier Dinge, die Sie körperlich wahrnehmen: den Stuhl unter Ihnen, die Füße im Schuh, den Stoff auf der Haut, die Temperatur im Raum. Hören Sie dann auf drei Geräusche.

Diese einfache Orientierung bringt die Aufmerksamkeit aus dem Kreisen über gestern und morgen zurück in den gegenwärtigen Moment. Besonders hilfreich ist sie, wenn Ihr Herz schneller schlägt, Sie sich getrieben fühlen oder kaum einen klaren Gedanken fassen können. Sie müssen dabei nichts empfinden. Es genügt, wahrzunehmen.

2. Länger ausatmen, statt tief durchzuatmen

Der Rat „Atme tief durch“ kann unter Druck sogar anstrengend sein. Versuchen Sie es sanfter: Atmen Sie normal ein und lassen Sie die Ausatmung ein wenig länger werden. Zum Beispiel drei Sekunden ein, fünf Sekunden aus. Wiederholen Sie das sechs- bis achtmal, ohne sich zu kontrollieren.

Eine verlängerte Ausatmung kann dem Körper signalisieren, dass die unmittelbare Gefahr vorbei ist. Vielleicht wird nicht alles ruhig. Aber oft entsteht ein kleiner Zwischenraum zwischen Ihnen und dem, was gerade auf Sie einströmt. Genau dieser Zwischenraum ist wertvoll.

3. Die Hand-auf-den-Körper-Übung

Legen Sie eine Hand auf die Brust und eine auf den Bauch oder dorthin, wo Ihr Körper Berührung gerade angenehm findet. Sagen Sie innerlich: „Es ist gerade viel.“ Und dann: „Ich muss es nicht in diesem Moment lösen.“

Das klingt schlicht. Doch gerade Frauen, die gewohnt sind, sich zusammenzunehmen, übergehen ihre eigene Anspannung oft sehr schnell. Die Geste der Hand auf dem Körper ist eine kleine Form von Selbstzuwendung. Nicht als Beschwichtigung, sondern als ehrliches Anerkennen dessen, was da ist.

4. Den nächsten Schritt auf die Größe eines Atemzugs bringen

Fragen wie „Wie soll ich das alles schaffen?“ sind verständlich, aber sie überfordern weiter. Tauschen Sie sie für einen Moment gegen eine engere Frage: „Was ist in den nächsten zehn Minuten der freundlichste nächste Schritt?“

Das kann ein Glas Wasser sein, eine Nachricht nicht sofort beantworten, die Tür schließen, etwas absagen oder sich hinsetzen. Es muss nicht der wichtigste Schritt sein. In Überforderung ist der machbare Schritt oft der richtige. Orientierung entsteht nicht immer durch Nachdenken, sondern auch dadurch, dass Sie wieder handlungsfähig werden.

Wenn die Überforderung vor allem im Kopf sitzt

Manche Frauen erleben Überforderung weniger als sichtbare Hektik, sondern als unaufhörliches Grübeln. Gedanken springen von der Beziehung zur Arbeit, von der Sorge um die Familie zur Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Das Gefühl dahinter ist oft: Ich darf nichts übersehen.

Hier hilft eine Übung, die Gedanken nicht zu bekämpfen, sondern ihnen einen begrenzten Platz zu geben. Nehmen Sie Papier und schreiben Sie für fünf Minuten alles auf, was in Ihnen laut ist. Ohne Ordnung, ohne schöne Sätze, ohne Bewertung. Anschließend ziehen Sie zwei Überschriften: „Jetzt beeinflussbar“ und „Nicht jetzt lösbar“.

Unter „Jetzt beeinflussbar“ gehört nur, was heute oder in den nächsten Tagen einen konkreten kleinen Schritt erlaubt. Alles andere darf unter „Nicht jetzt lösbar“ stehen bleiben. Das ist kein Wegschieben. Es ist eine Entscheidung gegen die Illusion, dass Sie alles gleichzeitig tragen müssen.

Ein Satz, der innere Ansprüche unterbricht

Wenn Sie merken, wie der Druck durch Sätze wie „Ich müsste doch“ oder „Andere schaffen das auch“ wächst, halten Sie kurz inne. Vervollständigen Sie diesen Satz schriftlich oder im Kopf: „Was ich gerade wirklich brauche, ist ...“

Vielleicht lautet die Antwort Ruhe. Vielleicht Klarheit, Unterstützung, ein Gespräch oder die Erlaubnis, enttäuscht zu sein. Oft wissen wir erstaunlich genau, was fehlt. Wir hören es nur nicht, weil die Forderungen an uns selbst lauter geworden sind als die eigene Stimme.

Überforderung im Körper lösen, ohne sich zu überfordern

Nicht jede Übung passt zu jedem Zustand. Wenn Sie sehr unruhig oder angespannt sind, kann Bewegung entlasten. Wenn Sie erschöpft und leer sind, braucht Ihr Körper möglicherweise weniger Aktivierung und mehr Pause. Es gibt kein richtiges Programm für alle.

Probieren Sie bei innerer Unruhe das Ausschütteln: Stellen Sie sich hin und schütteln Sie für etwa eine Minute locker Hände, Arme, Schultern und Beine aus. Nicht sportlich, nicht schön. Danach stehen Sie still und spüren nach. Manche Menschen empfinden sofort Erleichterung, andere erst beim zweiten oder dritten Mal.

Bei Erschöpfung kann die sogenannte Wand-Übung hilfreicher sein. Lehnen Sie sich mit dem Rücken an eine Wand, lassen Sie das Gewicht bewusst abgeben und drücken Sie die Füße leicht in den Boden. Bleiben Sie so für einige Atemzüge. Die Wand trägt, Sie müssen gerade nichts halten. Für einen Körper, der sich dauernd verantwortlich fühlt, kann das eine überraschend deutliche Erfahrung sein.

Was Übungen nicht leisten müssen

Übungen gegen Überforderung sind keine Prüfung und kein Ersatz dafür, die Ursachen ernst zu nehmen. Wenn die Belastung aus einer konflikthaften Beziehung, dauerhafter Überlastung, Einsamkeit, finanziellen Sorgen oder alten Verletzungen entsteht, wird eine Atemübung das nicht auflösen. Sie kann Ihnen jedoch helfen, wieder so weit bei sich anzukommen, dass Sie erkennen: Was belastet mich eigentlich? Was ist mein Anteil und was trage ich, weil andere es von mir erwarten?

Manchmal zeigt sich auch, dass Sie nicht noch eine Methode brauchen, sondern ein Gegenüber. Einen geschützten Raum, in dem Sie nicht erklären müssen, warum es Ihnen zu viel ist. In einer psychologischen Online-Beratung kann dieses Sortieren möglich werden: Was ist gerade dringlich, was darf warten, und welcher nächste Schritt ist wirklich Ihrer?

Wenn Überforderung über längere Zeit anhält, Ihr Schlaf stark leidet, Sie sich hoffnungslos fühlen oder Gedanken auftauchen, sich etwas anzutun, holen Sie sich bitte zeitnah ärztliche, psychotherapeutische oder psychosoziale Unterstützung. In akuter Gefahr wenden Sie sich an den Notruf 112 oder an einen Krisendienst in Ihrer Region. Hilfe anzunehmen ist kein Versagen, sondern ein Schutz für Sie.

Eine kleine Praxis für den Abend

Bevor Sie schlafen gehen, fragen Sie sich nicht zuerst, was unerledigt geblieben ist. Fragen Sie: „Was war heute schwer?“ und „Was habe ich trotzdem getragen?“ Notieren Sie jeweils einen Satz. Der zweite Satz ist nicht dazu da, sich fürs Funktionieren zu loben. Er erinnert Sie daran, dass Sie mitten in einem schweren Tag nicht unsichtbar werden.

Vielleicht bleibt die Überforderung zunächst noch da. Aber Sie müssen ihr nicht allein und nicht im gleichen Tempo folgen. Ein stiller Moment, ein ehrlicher Satz, eine Pause vor der nächsten Antwort: Manchmal beginnt genau dort die Rückkehr zu sich selbst.

 
 
 

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